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Beginn des Widerstands  Просмотрен 93

Im Juni 1942 nach dem großen Luftangriff auf Köln schreiben und verteilen Hans Scholl und Alexander Schmorell die ersten Flugblätter. In schöngeistiger, literarischer Sprache rufen sie darin zu passivem Widerstand gegen die nationalsozialistische Herrschaft auf und beklagen die Mitschuld der Deutschen an den Verbrechen der Nazis. Die Mitglieder der Weißen Rose wollen ihre Landsleute über den wahren Charakter des Regimesaufklären. Abgesehen von den geistigen Werten sind es die zunehmende Radikalisierung des Hitler-Regimes und die Brutalität des Krieges, die ihre Ablehnung des braunen Terrorregimes begründen.

An der Ostfront beobachten die jungen Männer der Weißen Rose im Sommer 1942, wie ausgezehrte jüdische Frauen zur Zwangsarbeit getrieben werden. Oder sie hören von Massenhinrichtungen vieler unschuldiger Menschen. Das bestärkt sie darin, nach ihrer Rückkehr im November weiter Widerstand zu leisten, indem sie die Bevölkerung, vor allem andere Jugendliche, aufklären. Zu Hause in München erfährt Sophie Scholl von einer Freundin, dass geistig behinderte Kinder einer Heilanstalt von SS-Männern abgeholt wurden und auf immer verschwunden seien.

In den weiteren Flugblättern der Weißen Rose werden die scheußlichen und menschenunwürdigen Verbrechen des Regimes angeprangert, so die Ermordung von 300.000 polnischen Juden. Die Weiße Rose knüpft Kontakte zu anderen Widerstandsgruppen. Ihr fünftes Flugblatt erscheint in einer Auflage von 6000 bis 9000 Exemplaren und wird in mehreren süddeutschen und österreichischen Städten verteilt. "Mit mathematischer Sicherheit führt Hitler das deutsche Volk in den Abgrund", schreiben Hans Scholl und Alexander Schmorell mit Blick auf die Kriegslage im Januar 1943. Erstmals rufen sie ihre Landsleute dazu auf, den NS-Staat aktiv zu bekämpfen und fragen sie: "Deutsche! Wollt Ihr und Eure Kinder dasselbe Schicksal erleiden, das den Juden widerfahren ist? (…) Sollen wir auf ewig das von aller Welt gehaßte und ausgestoßene Volk sein?"

Der Volksgerichtshof

"Es wird Zeit, dass jemand dagegen fällt"

Ab Februar 1943 tritt die Gruppe auch durch nächtliche Aktionen an die Öffentlichkeit. Sie malen auf Münchner Hausfassaden Anti-Nazi-Parolen wie "Nieder mit Hitler", "Hitler Massenmörder" oder "Freiheit".

Das sechste Flugblatt wird der Gruppe zum Verhängnis. Geschrieben von ihrem Mentor Kurt Huber, einem Professor für Philosophie und Musikwissenschaften, geißelt es die Kriegspolitik Hitlers, welcher in Stalingrad allein auf deutscher Seite 300.000 Soldaten zum Opfer gefallen sind. Ein Hausmeister erwischt die Geschwister Scholl, als sie die Flugblätter im Lichthof der Universität verteilen, hält sie fest und übergibt sie der Gestapo. Vier Tage später, am 22. Februar, werden sie vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und noch am selben Tag mit dem Fallbeil hingerichtet. Mit ihnen stirbt Christoph Probst. Um den jungen Familienvater zu schützen, hat die Gruppe ihn zuletzt weitgehend aus ihren Aktivitäten herausgehalten. Das einzige Beweismittel gegen ihn ist ein handschriftlicher Entwurf zu einem Flugblatt, den Hans Scholl bei sich trug, als er verhaftet wurde.

Im April wird 14 weiteren Mitgliedern der Weißen Rose der Prozess gemacht. Alexander Schmorell, Professor Kurt Huber und Willi Graf werden ebenfalls zum Tode verurteilt, die anderen zu Haftstrafen. In den folgenden Monaten verhaftet die Gestapo weiterhin Freunde und Unterstützer der Weißen Rose, und der Volksgerichtshof verhängt Todes- und hohe Freiheitsstrafen.

Noch zwei Tage vor ihrer Verhaftung sagte Sophie Scholl: "Es fallen so viele Menschen für dieses Regime. Es wird Zeit, dass jemand dagegen fällt". Während ihres Verhörs wollte der Gestapobeamte ihr eine Möglichkeit geben, die Todesstrafe zu umgehen: Sie sollte sich von ihrem Bruder distanzieren und erklären, dass seine und ihre Handlungen und Überzeugungen verurteilenswert seien. Darauf antwortete Sophie Scholl laut Vernehmungsprotokoll: "Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue deshalb meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die mir aus meiner Handlungsweise erwachsen, auf mich nehmen."

Gedenkstein für die Weiße Rose in München

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